Mittwoch, 25. April 2007

Wie böse ist Google?

"Don’t be evil!" ist wohl der bekannteste Slogen der Internet-Welt und auch der, der am meisten in Frage gestellt wird. Denn, ganz ehrlich, kann eine Firma auf lange Zeit gesehen, wirklich Grundgut sein und nichts einziges "Böses" tun? Und, was bedeutet eigentlich dieses "Sei nicht Böse!"?

Eben diese beiden Frage sind meines Erachtens wichtige Punkte um Google, gemessen an seinem Slogen aber auch allgemein einschätzen zu können.

Ich mag Google. Ich mag die Firma sogar sehr, seit dem ich vor vielen Jahren das erste mal ihre 'Website' besucht habe. Ich mochte das Qicki-Bunti-Logo und den sonst so asketischen Aufbau - die Leere - der Website, die im Gegensatz zu sonstigen Angeboten so schön gemütlich und ruhig wirkte.

Noch mehr mochte ich die Jungs von Google nachdem ich ihren Slogen "Don’t be evil!" kennen lernte. Ich fragte mich: Wer zum Teufel erlegt sich ein Motto wie "Don’t be evil!" auf? Entweder sind die von Google total bescheuert, oder einfach anders! Ich entschied mich für Letzteres, auch wenn ich heute manchen Entscheidungen von Google recht kritisch gegenüber stehe.

Aber zurück zu den beiden anfänglichen Fragen - als erstes allerdings zur Zweiten: Was bedeutet eigentlich "Sei nicht Böse!"?

Laut der Wikipedia ist "Das Böse" in der Philosophie das, was ethisch falsch ist, was abzulehnen und schlecht ist. Es ist also das Gegenteil des moralisch Guten. - Aha. Allerdings gibt's auch zu "Gut" keine genaue Definition, woraus folgt, dass auch "böse" nicht genau bestimmbar ist. Wir lernen also "böse sein" und "Böses tun" sind dehnbare Begriffen und mehr oder minder Auslegungssache.

Daraus folgt, dass auch die Googler das "Böse" oder besser gesagt das "nicht böse sein" (oder auch "Tu nichts Böses.") auslegen mussten. Wie Eric Schmidt mal sagte, "Evil, is whatever Sergey says is evil." - damit wär's wohl entschieden.

Leider wissen wir aber nicht was Sergey über's "Böse" sagt, weswegen wir uns nach unseren eigenen Maßstäben richten müssen.

Meiner Meinung nach würde "Don’t be evil!" bedeuten, dass eine Firma ihre moralischen und ethischen Grenzen absteckt und vermeidet Menschen, Nutzern, Mitarbeitern und Konkurrenten eklatanten Schaden zuzufügen. Darüber hinaus sollte man stets darauf bedacht sein, dass das Vertrauen das die Nutzer dem Unternehmen entgegen bringen geachtet, honoriert und gewürdigt wird - und natürlich gerechtfertigt ist. Weiterhin sollte man stets für Kritik offen sein - so unschön sie auch sein mag.

Kurz gesagt, eben ein Unternehmen, dass seine Konkurrenz, Kunden, Bedienstete und allgemeine ethische und moralische Grundsätze respektiert

Aber tut das Google auch? - Hiermit wären wir jetzt bei Punkt 2 oder 1, je nachdem wie man das sieht ;-)

Grundsätzlich möchte ich meine Frage mit 'Ja und Nein' beantworten. Im allgemeinen glaube ich, dass ich als Nutzer von Google respektiert werde, soweit es einem großen Unternehmen möglich ist. Zwar gibt's bei Google immer wieder kleine und große Ausrutscher was die Achtung, und den Respekt vor dem Kunden in Frage stellt - aber ich hoffe, dass sich Google diesen Fehlern annehmen wird. Wenn nämlich nicht, dann hat Google irgendwann ein böses Problem.

Was den Respekt vor der Konkurrenz angeht, da glaube ich, dass Google da keine Probleme hat. Google ist zwar mächtig und groß, aber vom Status eines Microsoft ist man in Mountain View doch noch ein weites Stück entfernt. Auch in Sachen Wettbewerb glaube ich, dass sich Google angemessen fair verhält - korrupte oder bösartige Schachzüge, wie bei einem gewissen Software-Riesen konnte ich noch nicht erkennen, auch wenn manchmal eine gewisse Dreistigkeit auszumachen war.

Dann, der Respekt vor den Angestellten. Ich glaube dazu muss man nicht allzu viel sagen, wenn man es mit dem besten Arbeitgeber der USA zu tun hat. Die Googler haben freie Kost, können in 20% ihrer Arbeitszeit ihre kreativen Ausschweifungen ausleben; von den Freizeitmöglichkeiten des Googleplex ganz zu schweigen. Leider allerdings muss man auch damit rechnen, dass nicht jeder bei Google das bekommt, was man sich erhofft oder verdient hat - bei all dem Rosa der Google-Brille darf man eben nicht vergessen: Google ist trotz allem immer noch ein annähernd 'normales' Unternehmen.

Was die ethischen und moralischen Grundsätze angeht, da wird es sehr schwierig. Ein Problem ist etwa, dass Google ein weltweit operierendes Unternehmen ist und - naja - andere Länder, andere Sitten, andere Regime, andere Freiheiten. Zensur gibt es überall, wenn auch nicht immer so ausgeprägt wie in China oder dem Iran - oder sonst wo. Wenn man als Unternehmen international erfolgreich sein will, dann muss man moralisch flexibel sein und sich den loaklen Gegebenheiten und Vorschriften anpassen oder (und das ist der schwierigere Weg) hart bleiben und sich auf langwierige Verhandlungen einlassen, so dass man sich mehr oder minder unangepasst ansiedeln kann. Ein letzter Weg hingegen wäre der, es sein zu lassen - und den Markt zu ignorieren.

Da ich verstehe, dass Google um langfristig erfolgreich zu sein, einen Markt wie China braucht, verstehe ich in gewissen Maße, dass man sich den Regeln und Vorschriften unterwarf. Aber gut, finde ich die selbst auferlegte Zensur natürlich nicht - ich finde es falsch. Und ich glaube, Google wird im gewissem Maße ebenso, Probleme mit der Akzeptanz der Situation haben - dennoch allerdings beschritt man den Weg auf den chinesischen Markt. Das ist es, was ich mit "moralisch flexibel" meinte.

... aber ist ein derartiges Verhalten auch "böse"? Ich weiß es nicht genau: Gut ist ist jedenfalls nicht.

Das Ganze hat etwas von Herr der Ringe, wo sich Saruman mit Sauron einlässt, da er nicht daran glaubt, dass die Streitkräfte Mittelerdes gegen den "dunklen Herrscher" gewinnen können.

Nun, wie ist Google letztlich in Bezug zum eigenen Slogan zu bewerten - wird man diesem gerecht?

Eine relativ schwierige Entscheidung. Aber ich glaube: Ja, im großen und ganzen wird Google dem "Don’t be evil!" gerecht, wenn natürlich auch nicht gänzlich. Hier und da sind freilich schon ein paar dunkle Schatten und hässliche Kratzer zu sehen, die man sich auf dem Weltmarkt zugezogen hat. Daher muss Google auch sehr vorsichtig sein und aufpassen, dass man sich weiterhin stark oder noch stärker an dem eigenen Motto orientiert und vor allem wieder stärker auf die User eingeht und aufmerksamer mit diesen verfährt.

Ein zweites Microsoft, so meine Ansicht, wird Google jedenfalls nicht werden.


[Pictures (CC) by Pathfinder Linden]

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