Dienstag, 3. Juli 2007

Die Google SiCKO-Affäre

Am vergangenen Freitag hatte sich Google-Mitarbeiterin Lauren Turner, Health Account Planner, im firmeneigenen Health Advertising Blog zu Wort gemeldet. Das Thema: Michael Moores neue Dokumentation SiCKO, welche das US-Gesundheitssystem bitterböse kritisiert.

Dass derartig prominente Kritik nicht gerade positiv für das Ansehen der betreffenden Firmen und Unternehmen ist, ist verständlich. Und dieses könnte wiederum für den Anzeigenverkauf positive Folgen haben. Aus diesem Grunde nahm sich Turner die Dokumentation, welche schon vor Kinostart (illegal) auf Google Video zusehen war, zur Brust und nahm die US-Gesundheitsindustrie dagegen in Schutz. So würde zwar, mal wieder, aller Orts gegen das Healthcare-System gewettert, aber dessen Programme wie Charityaktivitäten und philantropische Bestrebung ignoriert werden.

"Moores Film porträtiert die Industrie, als durch Geld und Marketing getrieben und verschweigt das Interesse der Firmen an der Gesundheit und Fürsorge der Patienten." ... und eben dieses versuche Google zu korrigieren. "Wir platzieren Text-Anzeigen, Videoanzeigen und Werbung in den Medien (...)", schriebt Turner.

Freilich stieß dieser Post im Health Advertising Blog auf große Resonanz. Doch ob diese, jene war, die man erwartete? Ich glaube nicht. Viele Blogger mochten natürlich die finanziellen Bemühungen von Google verstehen. Dass allerdings die Gesundheitsindustrie in Schutz genommen wurde, das war ein Unding. Und vor allem verstieß Google damit gegen sein sonst so heiliges Gebot "Don’t be evil." - zumindest wenn es nach der öffentlichen Meinung geht.
Zwar ist die US-Gesundheitsindustrie nicht pauschal "böse", wie etwa Garett Rogers feststellte, aber in so mancher Hinsicht, ist sie sicherlich auch nicht gerade "gut" und wird – teilweise – zu Recht von Moore kritisiert. Und das ist auch meine Meinung.

Nachdem ein Feuersturm der Entrüstung über Turners Beitrag ausgebrochen war und manche Google gar verteufelten oder als Marionette der Bush'schen Versicherungsindustrie skizzierten, sah sich Lauren Turner dazu veranlasst einiges richtig zustellen, was scheinbar falsch verstanden worden ist. So war der Inhalt ihres Blogpost alleinig ihre Meinung und nicht die von Google. Dass viele dieses anders verstanden haben sei verständlich und ihre Schuld gewesen.

Auch Missy Krasner, Product Marketing Manager von Google, hat sich zur Kritik aus der Blogosphere geäußert und bekräftigt, dass der Eintrag im Health Advertising Blog nicht die offizielle Meinung von Google sei. Im Gegenteil: Google teile viele der Sorgen von Michael Moore – insbesondere in Hinsicht auf die Kosten und Verfügbarkeit der Krankenversorgung. Deshalb würde den Angestellten auch nahe gelegt den Film anzusehen.

Derweil ist am Wochenende SiCKO in den USA angelaufen. Und dieses sogar extrem erfolgreich (die Befürchtungen, dass die Raubkopie im Internet sich schlecht auf die Einspielergebnisse auswirkt waren also umsonst). Er soll den zweiterfolgreichsten US-Start eines Dokumentarfilms hingelegt haben, was auch das Interesse an dem Thema "Gesundheitssystem" bezeugen dürfte.

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