Freitag, 6. Juli 2007

Googles Konkurrenz: 10 interessante Alternativen im Überblick

Google, Google, Google! Keine andere Suchmaschine läuft derzeit so gut und das größtenteils zu recht. Dennoch – das hatte ich schon mal kurz angeschnitten – hat Google neben Microsoft's Live Search, Yahoo! und Ask.com eine Konkurrenz, die sich teils durchaus sehen lassen kann. Einige der selbsternannten Thronfolger und Alternativen hab ich mir mal etwas genauer anschaut.

Exalead
Gesamteindruck:
gut bis sehr gut Gefahr für Google: bedingt

Exalead ist eine durchaus solide Suchmaschine aus Frankreich, die zum europäischen Quaero-Projekt gehört. Ziel es Projektes war es, Google, Yahoo! und MSN eine europäische Alternative entgegen zu stellen. Doch aufgrund von Problemen sind die weiteren Unternehmungen unklar.

Im Grunde ist Exalead durchaus gut konstruiert. Es werden Vorschaubilder, eine spezielle Wikipedia-Suche, als auch Video und Bildersuche geboten. Auch nette Feinheiten, wie die Darstellung der Ergebnisse verändern zu können, oder die "jüngsten Ergebnisse" anzuzeigen, zeugt durchaus von Engagement.

Dennoch kränkelt Exalead scheinbar an dem scheinbar unvollständigen Index und einer etwas langsamen Aktualisierung. Auch das Fehlen einer Nachrichtensuche ist anzumerken. Und etwas, das mich beinahe zur Weißglut treibt ist, dass man jedes mal beim Aufrufen von "Exalead" mit einem blickenden Banner genervt wird, wenn man keine Cookies annimmt – ein fetter Minus-Punkt!

Hakia
Gesamteindruck:
gut Gefahr für Google: möglicherweise

Hakia ist ein interessantes Projekt, setzt die gleichnamige Suchmaschine doch auf die semantische Suche. Das heißt, dass Hakia eine Art künstliche Intelligenz nutzt, um die Suchbegriffe und ihre kontextuelle Beziehung zu erkennen. Die Suchtechnologie kann also herausfinden, was der Nutzer will. Kein Wunder ist doch der Gründer von Hakia, Dr. Berkan, ein Nuklearwissenschaftler und Experte für Künstliche Intelligenz.

Schon jetzt kann man bei Hakia Fragen (auf englisch) eingeben und bekommt manchmal sogar konkrete Antworten. Vollkommen korrekt funktioniert das System zwar noch nicht, aber es sind durchaus gute und hoffnungsvolle Ansätze zu erkennen. So erscheint bei der Frage "Who is Alexis Bledel?" eine On-Box mit einem Biographieauszug aus einer Alexis Bledel-Fansite.

Wie Dr. Riza Berkan, CEO von Hakia, mal angab, könnte ihre Suchmaschine Cookies überflüssig machen, da ihr Algorithmus den Sinn von Fragen und Eingaben verstehe. Ein Aufzeichnen und Analysieren des Nutzerverhaltens zur Verbesserung der Suchtechnik wäre daher nicht nötig.

Seekport
Gesamteindruck:
mittel Gefahr für Google: keine

Seekport ist eine Suchmaschine aus Deutschland, wird aber auch in Spanisch, Englisch und Französisch angeboten. Die Startseite von Seekport als auch die SERPs wirken etwas unaufgeräumt und altbacken. Etwas mehr Style und Mut zum Design wäre durchaus positiv.

Die Suchergebnisse selbst fallen zwar relevant aus, zeigen aber dass die Anzahl der indexierten Seiten nicht gerade groß ist. Positiv hingegen zu bewerten ist die Referenzen-Suche, mit welcher man Online-Enzyklopädien und Lexika durchforsten kann. Ein weiterer Ausbau dieser Funktion könnte nicht schaden. Außerdem bietet Seekport auch noch eine Blog- und eine News-Suche, die zwar nicht schlecht aber auch nicht wirklich überzeugend sind.

Im Großen und Ganzen ist Seekport eine nette kleine Suchmaschine, die durchaus zur Recherche taugt, aber mit den Großen nicht mithalten kann.

ChaCha

Gesamteindruck: sehr gut Gefahr für Google: möglicherweise

Die Suchmaschine ChaCha ist, wie man sagt, etwas anders als die anderen. Zwar bietet sie ebenfalls Web-, Bilder-, News, Audio- und seit kurzem auch eine Video-Suche, aber bei ihr suchen eben nicht nur Algorithmen sondern auch Menschen aus Fleisch und Blut.

Nach dem man bei ChaCha zunächst die Standardsuche angesteuert hat, bietet einem die Suchmaschine die Möglichkeit mit einem sog. "Guide" zu chatten. Dieser ist ein bezahlter Helfer, der vor einem Rechner sitzt und für dich passende Links und Ergebnisse sucht.

Die Idee ist zwar recht simpel, aber trotzdem sehr interessant, denn die Guides liefern oft und sehr schnell interessante und relevante Ergebnisse. Ein Konzept, dass durchaus Erfolg haben könnte und nicht zuletzt Spaß macht.

Übrigens: Als "Guide" bei ChaCha verdient man, je nach "Erfahrungslevel", 5 bis 10 US-Dollar pro Stunde. Wobei es derzeit, so zumindest die Angabe meines "Guides", zwischen 10.000 und 12.000 von ihnen gibt.

Powerset
Gesamteindruck: k.a. Gefahr für Google: höchstwahrscheinlich

Powerset ist wohl die interessanteste Konkurrenz, die Google gegenübersteht oder gegenüberstehen wird. Denn bisher ist über Powerset noch nicht wirklich viel bekannt. Die 70 Mann starke Firma aus San Francisco arbeitet bisher im Stealhmode und mochte nur wenig über sich und ihre Arbeit bekannt gegeben. Erst Ende des Jahres will man Beta-Testern in den sog. Powerlabs Einblick in das Kommende gewähren und sich so auf den richtigen Start vorbereiten.

Klar ist bisher, dass Powerset Natural Language-Search (Suche mit natürlicher Sprache) ermöglichen soll. Sprich: Man kann mit der Suchmaschine kommunizieren, wie mit einem Menschen auch. Keine abgehackten Keywords, kein "+", "in URL" oder sonstige Phrasen sollen notwendig sein. Falls es nach den Gründern von Powerset geht, könnte die Suche sogar mit Hilfe von akustischer Sprache oder dynamisch per Chat mit der Suchmaschine erfolgen. Und um die Suchmaschine herum, so die derzeitigen Plane, soll sich eine Art virtuelles Ökosystem aufbauen, das Google und dem Rest der Welt die Stirn bieten soll.

Hierbei setzt man kräftig auf die Unterstützung der User, welche praktisch mit der Suchmaschine partizipieren und in einem Social Network kommunizieren sollen. Sie können sich etwa in Gruppen organisieren, austauschen, die Ergebnisse der Suchmaschine bewerten und vieles mehr...

(übrg. Wahrscheinlich werde ich bald noch etwas größeres zu Powerset schreiben, da man mir aus SF mitteilte, dass man gerne mit Bloggern kooperiert.)


Snap
Gesamteindruck:
gut Gefahr für Google: bedingt

Die Suchmaschine Snap bietet ein nettes Rundum-Paket. Man kriegt alles was man erwartet und teilweise sogar noch etwas mehr. So kann man mit Snap das Web durchforsten, nach Bildern stöbern und sich die aktuellen Nachrichten präsentieren lassen.

Die Suchergebnisse sind durchweg akzeptabel, allerdings könnte man bei der Indexgröße und der Aktualität etwas nachbessern.

Was Snap interessant macht ist aber nicht die Suche selbst, sondern das attraktive Auftreten. Diese Suchmaschine ist wie die graue Maus, der man die Brille abnimmt und ein hübsches Kleid anzieht. So hat man neben der Standard-Suche auch die Möglichkeit "Web Enhanced" auszuwählen: einem Suchmodus der mit Vorschaubildern, Unendlich-Scrollen und einer Bewertungsmöglichkeit der Suchergebnisse daherkommt.

Besonders schick ist die Snap-Bilder-Suche. Geradezu Brachial wird man hier, wie einst bei der Live-Suche Beta, mit Ajax-Kniffen und einer dynamischen Webseite beeindruckt. Im Gegensatz zur Suche von Microsoft ist die Bilder-Suche bei Snap allerdings nicht nur hübsch sondern auch funktional.

Mit etwas Arbeit könnte aus Snap durchaus noch etwas werden.

Lexxe

Gesamteindruck:
mittelmäßig Gefahr für Google: gering

Lexxe (gesprochen "Leksi") ist eine Suchmaschine, die sich ebenfalls Natural Language-Search auf die Fahne geschrieben hat, aber von der ich – zugegeben – gestern zum ersten Mal gehört habe. Nichtsdestoweniger ist Lexxe ziemlich interessant.

Wie sich bei einer Suche nach "Who is Alexis Bledel?" zeigt, clustert Lexxe die Suchergebnisse. Kurz gesagt: Die Suchmaschine interpretiert die Suchphrase und unterteilt die gefundenen Ergebnisse in thematische Bereiche. Diese können dann genutzt werden, um die Ergebnisse einzuschränken und eine konkretere Antwort zu ermöglichen.

Falls Lexxe sofort genügend Informationen zur Verfügung hat, bietet sie ebenfalls – wie auch Hakia – eine On-Box Antwort auf eine eingegebene Frage. So bekomme ich auch hier einen Auszug aus einer Alexis Bledel-Biographie geboten. Bei der Frage, wer Michael Moore ist, bekomme ich sogar zwei Antworten – einmal den Doku-Filmer und einmal den Jazz-Musiker.

Zwar ist das System von Lexxe durchaus interessant, allerdings scheint der Umfang der indexierten Seiten – im Vergleich zur Konkurrenz - noch etwas gering zu sein. Auch sonst wirkt die Suchmaschine etwas stiefmütterlich und allein gelassen.

Tallstreet
Gesamteindruck:
interessant?! Gefahr für Google: keine

Tallstreet ist eine Community-gesteuerte und ebenso interessante, wie auch merkwürdige 'Suchmaschine'. Zweifelsohne wird man nämlich bei einer Suche nach einem Begriff nicht das auf dem ersten Platz finden, das man dort erwarten würde.

Das Grundkonzept von Tallstreet lässt sich etwa so beschreiben: Tallstreet verfügt über einen Index, wie eben auch Google und Co., allerdings können die User hier jede einzelne Seite bewerten. Dieses geschieht, in dem sie virtuelles Geld (oder Punkte) in die Seiten investieren. Je mehr "Investments" eine Seite aufweist, umso weiter vorne wird sie in den Ergebnissen gelistet.

Durch dieses System ist Tallstreet freilich keine Konkurrenz für Google. Aber dennoch kann man bei den Suchen auf durchaus interessante und teils auch relevante Ergebnisse stoßen. Hierdurch ergeben sich durchaus faszinierende Möglichkeiten.

Gigablast
Gesamteindruck: mittel bis gut Gefahr für Google: gering

Gigablast ist ein recht junge Suchmaschine die von Matt Wells ins Leben gerufen wurde. Sie bietet die Standard-Websuche, eine Verzeichnissuche, eine Suche für Reiseportale als auch die Möglichkeit Blogs und Regierungsseiten zu durchstöbern.

Die Suchergebnisse von Gigablast sind überwiegend gut, aber nicht mit denen von Google, Yahoo! oder Live.com zu vergleichen.

Nichtsdestotrotz bietet Gigablast mit "Giga Bits" ein nettes Feature an. Durch dieses werden Keywords die mit den Suchbegriffen in Verbindung gebracht werden angezeigt und können der Suche hinzugefügt werden. Etwas ähnliches bietet die .com-Version von Google mit "Searches related to:" an. Weiterhin existiert die Möglichkeit eine Suche an andere Suchmaschinen - wie etwa Google oder auch Yahoo! - weiterzuleiten, um die Suche dort fortzuführen.

Search Wikia

Gesamteindruck: k.a. Gefahr für Google: möglich bis höchstwahrscheinlich

Jimmy "Jimbo" Wales, der Gründer der Wikipedia, hat eine Vision. Er will eine Suchmaschine ins Leben rufen, die eine Alternative zu Google und Co. darstellen soll und darüber hinaus durch eine Community gelenkt wird.

Basieren, so wird vermutet und angedeutet, soll die Suchmaschine auf den Open Source-Programmen Nutch und Lucene, die sich in der Praxis schon als leistungsstark und funktionstüchtig erwiesen haben. Wie Jimbo im März '07 auf einer Konferenz äußerte, solle das Herzstück der Suchmaschine allerdings die "menschliche Intelligenz" darstellen. Durch sie sei schon die Wikipedia ein Erfolg geworden und auch in Sachen Suche könnte sie sich sicherlich bewähren. Die kollaborative Zusammenarbeit, so glaubt Wales, könnte Spam endlich den Gar ausmachen.

Zum Ziel gesetzt hat sich das Search Wikia-Team, 5% des Suchmaschinenmarktes zu erobern. Ein nicht gerade kleiner Teil, wenn man die Dominanz von Google, Yahoo! und Microsoft bedenkt. Wann das neue Flagschiff von Jimmy "Jimbo" Wales in See stechen kann, das ist bisher noch nicht abzusehen. Allerdings sollen Arbeiten durchaus vorangehen.

Kommentare:

nbwolf hat gesagt…

nette info, danke.

Anonym hat gesagt…

Exalead ist mein Favorit.