Montag, 6. August 2007

Google: Auf dem Weg zur Weltherrschaft?

Google hat es derzeit wirklich nicht leicht. Von allen Seiten wird auf den Suchmaschinengiganten geschossen: Copyright-Verstöße durch YouTube, Täuschung von Internetnutzern durch AdSense, verschiedene kleinere Klagen und nicht zuletzt der Aufkauf von DoubleClick, welcher immer mehr Gegner findet. Alles samt muss man derzeit im schönen Mountain View bewältigen.

"Google beherrscht die Hälfte des Online Anzeigen-Marktes. Und jetzt will man auch die andere Hälfte", bemängelt etwa Jeffrey Chester vom Center for Digital Democracy gegenüber der LA Times.

Dass sich Chester sorgt ist verständlich und er steht auch keineswegs alleine da. Etliche Datenschützer und Vertreter von Bürgerrechtsgruppen appellieren derzeit an Google selbst und die Regierung, den Aufkauf von DoubleClick nicht zuzulassen. Ihre Befürchtung: Ganz einfach, DoubleClick und Google würden gemeinsam über eine absurd große Datenmenge verfügen. Hierdurch könnten sie so ziemlich jeden Internetnutzer in ein Profile zwängen und gezielt mit Werbung belasten.

Oder wie die European Consumers' Organisation meinte: Nie zuvor hat eine einzige Firma derartige Möglichkeiten gehabt, Informationen darüber zu sammeln und auszuwerten, was ein Nutzer im Internet tut.

Dass diese apokalyptischen 1984-Szenarien zwar massiv aber nicht aus dem Wind gegriffen sind, das hat sich mittlerweile bewiesen. Denn nicht umsonst hatten sich vor kurzem, wahrscheinlich zur Überraschung vieler, auch das US-Repräsentantenhaus und der Senat in die Debatte eingemischt. Noch bis Ende des Jahres will man sich in diesen politischen Kreisen mit möglichen kartell- und datenschutzrechtlichen Folgen von Googles größter Akquisition auseinander setzten und hierzu auch Vertreter der beiden Firmen anhören.

Doch nicht nur Datenschützern wird bei der angesetzten Übernahme von DoubleClick durch Google Angst und Bange ... auch Googles Konkurrenz schlottern die Knie. Allem voran hatte Microsoft gegen Google gewettert und seine Sorge um das Marktgleichgewicht kundgetan und anschließend einen Übernahme-Marathon gestartet, um sich selbst Anteile im Online-Werbemarkt zu sichern – so haben sich die Redmonder unter anderem aQuantive und den Werbemarktplatz AdECN angeeignet. Auch Yahoo! versuchte notgedrungen Boden gut zu machen - jedoch bisher nur mit mäßigen Erfolg.

Ob die Übernahme von DoubleClick durch Google tatsächlich den Untergang des Abendlandes bedeutet, darüber kann man herzhaft streiten. Ich für meinen Teil, halte manche der angekreideten Punkte für durchaus wahr und besorgniserregend. Bei manchem hingegen, kann ich nur den Kopf schütteln.

Dass uns in Zukunft ein Googleopoly, also die Herrschaft von Google über das Internet, blüht, wie Scott Cleland von Precursor nahelegt, das mag ich derzeit nicht glauben. Google mag zwar groß und finanzstark sein, aber um über das Internet zu herrschen, da braucht's schon einiges mehr ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nach allem, wie ich Google erlebe, muss ich sagen, dass es immer gut ist, wenn Wettbewerb, Vielfalt herrscht. Die Monopolstelllung von Google hat schon manches Problem verursacht, weil die Suchergebnisse definitiv NICHT objektiv angezeigt werden, sondern willkürlich dargestellt werden können. Da ist Missbrauch und Willkür Tür und Tor geöffnet. Wenn Adwords ins Spiel kommen, dann schliesse ich Objektivität von vornherein aus, denn dann wird alles käuflich. Siehe BMW, die sehr schnell wieder im Index drin waren, während unsereins in der 300 Tage Penalty Falle schmoren muss. So innovativ wie Google sich im Image darstellt, ist Google nicht. Die Pagerank Formel macht mehr kaputt als man glaubt. Ständiges Schielen auf Backlinks und Stichwörter an den richtigen Stellen verhunzen die Sprache und lenkt einseitig auf Text/Stichwort/Backlink Dominanz. Was ist mit Kunst, Stil, Design, Form? Mehr oder weniger unwichtig.
Google nimmt nur sich selbst wichtig und verhindert Transparenz und Offenheit. Statt darzulegen, nach welchen Kriterien sie beurteilen, vernebeln sie alles und lassen die Webmaster im Unklaren über die Maßstäbe und Richtlinien: "Schreibt saubere Websites dann habt ihr keine Probleme". Na prima. Mit einem kleineren Google und mehr Wettbewerb und Vielfalt gäbe es auch weniger Probleme.

Johnny hat gesagt…

Toller Beitrag und sehr aufschlussreich. Aber ich kann dir nur sagen, dass ich Google nach wie vor gut und innovativ finde. Trotzdem kann Google einen manchmal angst machen, wenn man so hört, wie stark das Unternehmen wächst.

Suchmaschinen News hat gesagt…

@ anonym ... ebenso schicker Kommentar, wie der Post zu deinem Kommentar. Ich glaube das das mit dem DoubleClick Deal nicht mehr gekippt wird, sonst kauft man sich eben 10 kleine um auf die Masse des grossen zu kommen.

Wenn Google nicht selbst sich ein Bein stellt, so wird die sicher keiner mehr einholen. Wie auch, wenn man das Geld schon fast "produziert" :( ^^

@ Johnny ... Google ist ja nicht grundsätzlich schlecht, schlimm ist halt, die Macht welche bei schlechter Führung von dort ausgehen könnte und wo es natürlich richtig ist, trotz der tollen Innovationen, genug Einhalt und Obacht zu geben drauf ^^