Mittwoch, 29. August 2007

Google vs. Windows Live Search: Der ultimative Schlagabtausch!


In der Welt der Suchmaschinen tobt ein erbitterter Kampf: Google gegen Microsoft (Yahoo! kommt später): Der erfolgreiche Aufsteiger mit Quicky-Bunti-Logo aus Mountain View gegen den eingesessenen Milliarden-Moloch aus Redmond. Okay, diese Beschreibung mag etwas übertrieben sein ... aber so etwas verkauft sich eben besser.

Beide, Google und Microsoft, können sich nicht wirklich leiden; geht es doch schließlich um Marktanteile in Sachen Websuche und damit um nicht gerade geringe Beträge. Sowohl Google als auch Microsoft haben die finanziellen Möglichkeiten und die nötige Technik am Start: Doch wer hat nun die besseren Karten?

Welche ist die bessere Suchmaschine: Google oder Windows Live Search?

Hier mein subjektiver Vergleich und Schlagabtausch ...

Design und Aufbau:
Wenn man Google und Live Search so gegenüber stellt, könnte man fast meinen, dass man es mit Bruder und Schwester zu tun hat. Beide Suchmaschinen wirken äußerst asketisch; zeigen nur das Wichtigste an und gleichen sich im Grundaufbau wie ein Ei dem anderen.

Microsoft belästigt den Nutzer im Kampf um Marktanteile allerdings mit einer kleinen Leiste am oberen Rand, die fragt ob man Live Search nicht zum "Standardsuchdienst" machen wolle - nein Danke. Darüber hinaus wird unter der Suchmaske noch auf den MSN Messenger oder auch die Bildersuche verwiesen – nicht aufdringlich, aber auffallend. Vom Charme der alten MSN-Suche ist bei der Neuauflage von Microsofts Suchmaschine leider nicht viel übrig geblieben. Die Oberfläche wirkt irgendwie kühl und distanziert.

Zu Google muss man, glaub ich, nicht viel sagen. Manche Designer loben das Design, andere bezeichnen es als Unding und Teufels Werk. Wie man es auch sehen mag: Am Design von Google hat sich über die Jahre nicht viel geändert, was auch gut ist. Die wichtigsten Funktionen und Verweise werden als Text-Links angezeigt und bis auf das Logo findet sich kein einziges Bild auf der Seite. Wobei letzteres in seiner bunten Aufmachung spielerisch und fast schon etwas kindlich wirkt und Google so einen ganz eigenen Charme verleiht.

Index und Suchergebnisse:
Wichtiger als das Design ist jedoch, was unter der Haube steckt ... und das sind nun mal der Index und die Suchergebnisse. Und bei diesem Punkt sind die Unterschiede schon recht deutlich.

Zwar sind die Suchergebnisse qualitativ bei beiden Suchmaschinen auf einem sehr hohem und durchaus ähnlichen Niveau. In Sachen Ergebnisanzahl sieht das aber schon wieder ganz anders aus.

Bei einer Suche nach "GoogleFokus" listet Google knapp 18.600 Treffer, Live.com dagegen nur 220 (!). Ähnlich sieht's bei einer Suche nach "Google" – Google ca. 1.140.000.000, Live.com 63.481.225 Teffer – und "Bill Gates" aus – Google ca. 62.300.000 , Live.com 4.930.937 Teffer. Offensichtlich muss Live Search seinen Index noch etwas aufstocken, um in dieser Kategorie mit dem Platzhirsch mithalten zu können.

Nicht unbedingt nötig aber dennoch nett sind bei Google die "Verwandte(n) Suchvorgänge", welche je nach Begriff unter den Ergebnissen angezeigt werden oder auch nicht. Für Bill Gates schlägt Google etwa "Bill Gates Vermögen" oder auch " Bill Gates Haus" vor. Bei Live Search findet sich stattdessen ein Aufruf zur Mitarbeit an den Suchergebnissen: Hier kann man sowohl Spam melden, Suchergebnisse – also Seiten für den Index - vorschlagen aber auch Kritik loswerden. Ein lobenswertes Feature!

Bildersuche:
Während Google und Live Search bei der Websuche recht ähnlich arbeiteten und die Ergebnisse auf gleiche Weise präsentierten, werden die kleinen Unterschiede bei der Bildersuche noch etwas offensichtlicher.

Google zeigt sich simpel und präsentiert die gefundenen Bilder in guter alter HTML-Manier samt Infos wie Titel, Größe, Dateityp und Herkunftsdomain, während man sich bei der Suchmaschine aus Redmond modern gibt und mit Ajax protzt. Letzteres wirkt tatsächlich frisch und spritzig, ist aber nur bedingt benutzerfreundlich: So muss man zum Anzeigen der Größe, des Dateitypes und weiterer Informationen erst mit der Maus über das Bild fahren, welches anschließend hervorgehoben wird. Eine Unsitte, welche sich auch Google kurzzeitig angeeignet aber wenig später wieder entfernt hat. Gut so, Google!

Vorteilhaft hingegen ist bei Live Search die Zoom-Funktion, mit der die gefundenen Bilder skalieren kann. Auch das Endlos-Scrollen kann seine Vorteile haben, ist beim Wiederauffinden eines Bildes aber hinderlich – kompensiert wird das allerdings teilweise durch das Scratchpad, eine Ablage in der Bilder per Drag&Drop vermerkt werden können – sehr nett, wirklich. Darüber hinaus bietet die Bildersuche von Live Search bei der Suche nach Menschen die Option "Related People", in der thematisch verwandte Personen aufgeführt werden.

Die Qualität der Ergebnisse der Bildersuche der beiden Suchmaschinen ist auf einem ähnlichen und durchaus guten Level. Doch auch hier hapert es bei Microsoft an der Indexgröße: Die Suche nach "Google" fördert bei Google 62.100.000 Bilder zu Tage, wobei Live Search lediglich 1.999.152 ausfindig macht. Auch bei Bill Gates – Google 850.000 Bilder, Live.com 30.672 Bilder - liegt die Situation gleichartig.

News:
Machen wir's kurz. Microsoft, das war nix.

Personalisierte Startseite:
Sowohl Google als auch Live.com bieten eine personalisierte Startseite. Bei beiden, also iGoogle und Live.com, kann man Nachrichten- und Blog-Feeds einbinden, Emails abfragen und aus einer unüberschaubaren Anzahl von Gadgets wählen, die man über mehrere Tabs bzw. Registerkarten verteilen kann. Im Grunde sind Microsofts und Googles personalisierte Startseiten vom Aufbau und den Möglichkeiten her gleich. iGoogle bietet jedoch zusätzlich das Feature, die dröge Oberfläche mit verschiedenen Themes aufzupeppen und so eine heimliche Stimmung zu schaffen.

Glücklich werden, kann man mit beiden.

Fazit:
Microsoft schlägt sich in seinem Kampf gegen Google nicht schlecht. Sowohl Google als auch Live.com sind sehr gute Suchmaschinen und bieten im Vergleich zu anderen überdurchschnittlich viel. Allerdings sind die Jungs aus Mountain View bei vielem einen Schritt voraus und glänzen vor allem bei der Anzahl der Suchergebnisse.

Zugute halten muss man Microsoft aber auf jeden Fall, den Mut bei der Bildersuche Ajax einzusetzen, was gut aussieht aber in der jetzigen Umsetzung nicht gerade bei einer ernsthaften Suche hilfreich ist. Eine Überarbeitung (und Anzeige von Größe, Dateityp etc.) könnte das ganze um einiges verbessern.

Nichtsdestotrotz ist Google alles in allem einfach die (derzeit) bessere Suchmaschine.

Kommentare:

Suchmaschinen News hat gesagt…

Echt gut geschrieben und mal schauen, wie der Kampf der Giganten im kommenden Jahr ausschaut.

Gruss aus Berlin

:)

Anonym hat gesagt…

Genau, Google ist eindeutig besser!

c't-Leser hat gesagt…

Nicht zur Gänze objektiv aber durchaus lesenswert, dieser Artikel. Die Bezeichnung ''Milliarden-Moloch aus Redmond'' für Microsoft ist etwa etwas sehr überspitzt und grenzt schon an Satire.

ich halt hat gesagt…

Ob die Anzahl der Ergebnisse etwas mit der Relevanz zu tun hat? Meines Wissens sind Quantität und Qualität noch immer zwei verschiedene Paar Schuhe. Im Gegenteil: Wenn aus den Ergebnissen wirklich nicht die doppelten und dreifachen angezeigt werden, dann ist das sogar ein qualitativer Vorteil und die Anzahl stimmt dann eher mit den existierenden Ergebnissen überein, als wenn dort am Ende steht:

"Um Ihnen nur die treffendsten Ergebnisse anzuzeigen, wurden einige Einträge ausgelassen, die den 28 bereits angezeigten Treffern sehr ähnlich sind. Sie können bei Bedarf die Suche unter Einbeziehung der übersprungenen Ergebnisse wiederholen." (Zitat aus einer Suche bei Google)
Da hat sich die Suche von 137 Ergebnissen auf/ab Seite 3 plötzlich auf 28 verkleinert und statt 8 Seiten sind es nur noch 3.

Aber hier bedarf es wohl eines gründlicheren Tests mit konkreteren Suchbegriffen und sinnvoller Analyse der Ergebnisse...