Montag, 1. Oktober 2007

Ist Google wirklich Gott?


Google findet alles! Dieser Überzeugung sind viele, denn subjektiv betrachtet kann man mit Google tatsächlich jeden Kram, der im Internet herumschwirrt, ausfindig machen. Man bekommt Antworten auf so ziemlich jede Frage, findet Bilder von fast jedem Ort der Welt und kann sich über Google News über das aktuelle Weltgeschehen informieren. Aber auch Google Groups, Gmail und Google Docs sind nicht zu verachten.

Manche Experten sind der Ansicht, dass Google schon seit langem mehr ist, als nur eine Suchmaschine und ein multinationales Unternehmen. Nicht umsonst sprechen einige von der 'Generation Google'. Google ist ein soziokulturelles Phänomen und hat als solches derweil eine Stellung eingenommen, die mit Personen wie Paris Hilton und Bill Gates vergleichbar ist. Die bekannte Suchmaschine hat den Einzug ins tägliche Leben, die Medien und, ja, auch die Kultur gefunden.

Einigen ist dieses allerdings nicht genug und gehen daher noch einen Schritt weiter: Google ist Gott! - Das meinen zumindest die Anhänger des – offensichtlich satirischen und von Matt MacPherson aus Kanada gegründeten - Googleismus. (bzw. Googlismus - engl. Googlism), dem Glauben der Church of Google. Diese Religion, im groben vergleichbar mit der des fliegenden Spaghettimonster, erklärt, dass Google das sei, was der Definition eines Gottes am nächsten kommt.

Übernatürliche Götter lehnt der Googlismus ab, da sie wissenschaftlich nicht beweisbar wären. Google dagegen existiert und hätte angeblich den Titel "Gott" bzw. "Göttin" verdient. Sie, die Suchmaschine Google, vereine mehrere Charakteristika, welche traditionsgemäß übersinnlichen oder göttlichen Entitäten zugeschrieben werden. Und im Gegensatz zu anderen Göttern könnte man diese Charakteristika bei Google stichfest und vor allem sichtbar nachweisen, sagen die Googleisten.

Als Beweise der Göttlichkeit Googles werden insgesamt 9 Punkte angeführt:

  • Nr. 1 - Google ist allwissend: Google sei das, was einem allwissenden Wesen am nächsten kommt. Google indiziert über 9,5 Milliarden (wahrscheinlich schon mehr) Webseiten, mehr als alle anderen Suchmaschinen und ordnet sie per PageRank. Darüber hinaus macht Google uns, den Sterblichen, diese Webseiten und Daten auf einfache Weise zugänglich.
  • Nr. 2 – Google ist allgegenwärtig: Google sei praktisch allgegenwärtig. Milliarden von Seiten aus jeder Ecke der Welt hat Google – per Crawler - erfasst. Und per Internetanschluss, WiFi könne Google von überall auf der Erde angesteuert werden.
  • Nr. 3 – Google beantwortet Gebete: Tatsächlich kann man zu Google beten, per Suchanfrage. Man kann der Suchmaschine jede Frage und jedes Problem aufbürden, das man will. Und eine Antwort bekommt man immer, ob man nun nach Krebsheilmethoden, Gesundheitsinfos oder was auch immer sucht. Ob man Suchanfragen als Gebete sehen kann? Die Googleisten sehen das jedenfalls so.
  • Nr. 4 – Google ist (möglicherweise) unsterblich: Da Google kein echtes physisches Lebewesen ist, könnte Google unsterblich sein. Der Algorithmus der Suchmaschine ist über etliche Server verteilt und falls einer ausfällt führt ein anderer den Dienst weiter. Google sei theoretisch unsterblich.
  • Nr. 5 – Google ist 'unendlich': Das Internet als solches kann ewig weiterwachsen und auf diese Weise könne Google auch ewig weiter wachsen und der Index eine unendliche Größe annehmen.
  • Nr. 6 – Google erinnert sich an alles: Google cached etliche Webseiten und speichert diese auf den eigenen Servern. In dem man Infos, Inhalte und Webseiten ins Netz stellt, kann man (bzw. die eigenen Gedanken etc.) durch Google ewig weiterleben. "Google Afterlife", wenn man so will, sagt der Googleismus.
  • Nr. 7 – Google kann nichts Böses tun: Der wichtigste Punkt der Unternehmensphilosophie von Google ist "Don’t be evil!", was bedeutetet, dass die Firma Umsatz machen will, ohne Böses zu tun.
  • Nr. 8 – Google wird verehrt: Zufolge von Google Trend ist der Suchbegriff "Google" populärer als "God", "Jesus", "Allah", "Buddha" usw. Offensichtlich wenden sich die Menschen öfter an Google, als an traditionelle Götter, meint die Kirche von Google.
  • Nr. 9 – Beweise für Googles Existenz existieren (im Überfluss): Für die Existenz von Google gebe es mehr Beweise, als für die Existenz eines jeden anderen Gottes. "Wenn Sehen Glauben bedeutet", meinen die Googleisten, "dann surfe zu www.google.com und erfahre die Macht von Google. Glaube ist hierfür nicht nötig."

Auch wenn nur Satire, treffen einige Punkte tatsächlich ansatzweise(!) zu. Wobei Google natürlich nicht allwissend im typischen Sinne ist oder sein kann. Doch dass Google einen unbeschreiblichen Datenberg an Texten, Bildern usw. angehäuft hat, ist nicht zu bestreiten. Auch die Omnipräsenz lässt sich nicht ganz von der Hand weisen, auch wenn dieses nach der Definition der Church of Google auch für etliche andere Webseiten zutreffen würde.

Hapern tut's allerdings bei der Unsterblichkeit, der Immortalität, denn diese setzt voraus, dass ein 'Organismus' eine "zeitlich unbegrenzte Lebensfähigkeit" (Wikipedia) besitzt oder die Vorstellung einer "unendlichen, nicht determinierbaren Existenz" erfüllt. Je nachdem ob man die Unsterblichkeit im biologischen, philosophischen oder theologischen Kontext sieht.

Biologische Unsterblichkeit fällt bei Google eigentlich schon deshalb weg, da Google kein biologisches Lebewesen ist. Lassen wir diese Kleinigkeit einfach mal bei Seite, ergibt sich dennoch ein interessantes Bild:
Biologische Unsterblichkeit ist bei einigen sehr einfachen mehrzelligen Lebensformen, beispielsweise der Seegurke, nach Auffassung mancher Wissenschaftler theoretisch unter idealen Bedingungen möglich. In der Natur sterben diese Tiere indes zwangsläufig früher oder später eines unnatürlichen Todes.
Etwa das gleiche würde auch bei Google – und den Highlander - zutreffen können. Falls Google Inc. nicht pleite geht und alles wie gehabt weiter läuft (Techniker warten die Server und Data Center, Programmierer arbeiten usw.) könnte Google theoretisch ewig weiter laufen. In diesem Sinne könnte man Google und die Menschen die daran arbeiten als einen riesigen Organismus betrachten, der sich stets weiterentwickelt und regeneriert.

Bei der philosophischen und theologischen Untersterblichkeit wird die Sache schon etwas schwieriger, denn hier geht’s (zumeist) um 'echte Immortalität', jener Unsterblichkeit welche über das materielle und biologische Dasein hinaus geht ... "unsterbliche Seele" usw. Dieses würde voraussetzten, dass Google eine Seele, einen Geist besitzt, der nach dem Abschalten aller Google Server und jeder Google-Anwendung weiterlebt. Und das ist sicherlich nicht gegeben, schätze ich mal.

Es sieht also letztlich so aus, als wäre es um die tatsächliche und beweisbare Göttlichkeit von Google nicht allzu gut bestellt, da viele Punkte nur bedingt zutreffen (können). Aber das ist bei 'Gott', dem fliegenden Spaghettimonster, dem unsichtbaren rosafarbenen Einhorn oder Russells Teekanne auch nicht anders.

In diesem Sinne ...
I'm Feeling Lucky!

Kommentare:

hebbet hat gesagt…

Hast du was dagegen wenn ich die neun Punkte bei Google-Szene.de zitiere?

Gruß

hebbet

Michael hat gesagt…

Kannste ruhig zitieren ;-) Auch wenn du die Rechtschreibfehler korregierst, wäre ok ;-)

hebbet hat gesagt…

Vielen Dank!